Eine kurze Phrase, drei Worte und kaum ein Satz. Das Es verschluckt. Worte in leerer H?lle. Tag ein, Tag aus, benutzt du sie. Verschluckst das Es am Anfang, zuckst danach vielleicht noch mit den Schultern. In deinem Kopf ist die standartiserte Antwort auf alle Fragen des Alltags: “Ist mir egal.” Mit verschlucktem Es.
Verb, Pronomen, egal.
Es ist dir unwichtig, um was es geht. Es soll dich nicht k?mmern. Konfrontation, mit der Situation, mit dir selbst, mit einer Entscheidung, mit Verantwortung? Niemals! Du gehst der Entscheidung aus dem Weg, die Flucht durch die Mitte. Lieber schnell weg hier! Lauf! Bevor jemand kommt und dich zwingt, zwingt etwas zu sagen. Andere machen das schon, sie stehen daf?r gerade. Du willst nichts damit zu tun haben. Womit? Du erw?hnst es nicht einmal mehr. Das Es ist egal.
Es ist so: Du willst dich raus halten. Ist, ist die Best?tigung, die Zusage zur Neutralit?t, zur nicht vorhandenen Meinung. Und gleichzeitig meint es: Du bist gar nicht da. Du bist nicht in dieser Situation, du bist nicht, du entscheidest nicht, du verantwortest nicht. Du bist nicht da. Du bist, bist, bist einfach nicht. Du willst nicht sein, nicht in diesem Moment. Du bist dir egal.
Es ist so: Du bist gefragt, es geht um dich, unausweichlich. Und dir, gerade dir, ist es egal. Keine Meinung, keine Tendenz, kein Interesse. Du bist nicht vorhanden, wenn es darum geht. Wenn du gefragt wirst, ist deine Antwort nicht da. Du bist nicht da. Du bist dir egal.
Egal ist vieles. Egal ist gleich, gleichg?ltig, eben und fortw?hrend. F?r dich ist es dein ganzes Leben. Dein Leben ist “Ist mir egal.” Mit jedem einzelnen Wort, jeder Silbe dieser verk?rzten Phrase fl?chtest du vor der Entscheidung, vor den Folgen, vor der Zukunft. Du versuchst dich in die Surrealit?t zu retten, indem du dir einbildest es w?re dir egal. Du imitierst die absolute Gleichg?ltigkeit um weiterhin stumm zu bleiben. Du w?nschest es w?re wirklich so. Es ist dein Traum. Aber du wei?t, dass es nicht so ist. Stattdessen hast du immer eine Meinung, denkst ewig mit, hast st?ndig Tendenzen.
Lieber Mayo anstatt von Ketchup, lieber Pils statt K?lsch, Nutella statt Nusspli, leise, nicht laut.
Deine Angst: Was ist, wenn ich heute keine Lust auf Mayonnaise habe? Deine Angst vor der Folge, vor der Zukunft. Deine Angst vor der falschen Entscheidung, vor der Verantwortung. Deine Angst vor dir selbst, dein fehlendes Vertrauen in dich.
All das, genau das findest du zum Kotzen. Es kotzt dich an, es bringt dich langsam und gem?chlich um. Jedes Mal, wenn die Phrase in deinem Kopf auftaucht, schmerzt es. Jedes Mal, wenn du es sagst, mit verschlucktem Es und dem gr?sslichen Schulterzucken, w?rdest du es am liebsten wieder r?ckg?ngig machen. Aus dem Verlauf l?schen, vernichten und am besten aus dem Wortschatz streichen. Nur dieses eine Wort komplett vergessen und Stellung beziehen, Meinung haben und ?u?ern. Schei? auf egal. Schei? auf Gleichg?ltigkeit.
Egal gibt es nicht.

3 Kommentare
“Schei auf egal” <– Das ist mal ne Meinung!
Na Daniel,
das Bild ist voll cool …
mir gefllt das echt richtig gut
HxDxL ♥ Lg Judith
die meisten kommen leider nicht bis zum letzten abschnitt.