Wir kennen das: Kleinstadt, zentrale Einkaufsstra?e, Drogeriemarkt, falsche Zeit erwischt, man hat eigentlich nur zwei Teile in der Hand und brauchte nicht mal dieses umst?ndliche Metallgitter-K?rbchen. Trotzdem steht die Schlange schon bis zu den Grabkerzen. Es ist nur eine Kasse offen. Terror!
Willkommen in meinem Donnerstagmorgenszenario! Im Minutentakt geht es voran, doch wir stehen immer noch vor dem pinken Schminkregal. Hier ist alles doppelt und dreifach ausgeleuchtet. Jede Menge Spiegel und zwischendrin der Lippenstift in get?nchtem Aufgekratzte-Kniewunde-Rot. Ich komme mir vor wie auf dem Laufsteg. Soll sich die Zielgruppe das auch denken? Hey, wo sind die Kameras?
Aber mal ehrlich, sich bei der Warterei dank der Spiegel noch beobachten zu k?nnen, ist wie innerhalb von zwei Minuten drei Mal beim Popeln von Mama erwischt zu werden.
Es ist wirklich kein Ausweg in Sicht. Vor mir die etwas ?ltere Oma mit grimmigem in sich gekehrten Blick. Wenn solch ?ltere Damen nicht l?cheln, wird nichts aus dem gottgegebenen “Ach, Sie haben nur zwei Teile? Ja dann k?nnen sie ruhig vor.” Da kann man das breite L?cheln der Dritten komplett vergessen. Hinter mir ist die Situation fast noch schlimmer. Es k?chelt unter den Per?cken. Ich mache keine Witze. Und in einer solchen Situation kann es nur einen einzigen Ausweg geben: Das Klingeln.
Wenn die einsame Kassiererin, die von Kundenscharen nur noch mit b?sartigen Blicken gel?chert wird, merkt, dass sie nicht nur angel?chelt*, sondern gel?chert wird, klingelt sie ein Mal quer durch den Laden, um die Verst?rkung an Kasse 2 zu rufen. Dieses Ger?usch ist nahezu ein Segen. Besser als jedes “Ach, Sie haben nur zwei Teile?”-Geplapper, so liebevoll dieses auch gemein sein kann. Segen > Geplapper.
Gleichzeitig muss man in diesem Moment h?chste Konzentration und viel Gef?hl f?r die Situation beweisen. Denn nat?rlich ist es nicht angebracht, sich direkt nach dem gesegneten Klingeln an Kasse 2 anzustellen. Die Blicke der Kunden, die immer noch an Kasse 1 anstehen, w?rden nicht mehr l?chern, sondern Napalm ?ber einem abwerfen.
Bei sehr viel Pech endet diese Situation sogar in pl?tzlichen Anf?llen von einer dieser genervten aber modernen Hausfrauen mit rot-gef?rbtem Kurzhaarschnitt, der ganz und gar nicht zur Figur passt. In einem solchen Fall ist man v?llig machtlos. Mit Gl?ck ist der zerknirschte Gesichtsausdruck allerdings nach 15 Minuten verschwunden.
Bei etwas weniger Pech darf man sich nur einen dieser Vortr?ge von ?lteren Menschen anh?ren, weil sie ja angeblich das Recht dazu haben sich als erstes an eine solche Schlagen zu stellen. Pah, nichts da. Den Bl?dsinn kann man direkt vergessen. In Schlangen herrscht absoluter Gleichberechtigung Krieg!
Es muss eine andere M?glichkeit zur gl?cklichen L?sung der Situation geben. Und ja, es gibt sie. Sie ist nahezu unauff?llig und v?llig legitim, selbst wenn man noch bei den Grabkerzen steht. Sie ist der absolute Mittelweg zwischen Zu-fr?h-Anstellen und Einige-vorlassen-und-so-keine-Zeit-Sparen!
Es gilt nun die Frau im wei?en Kittel (kurz: Kassiererin 2) fr?hzeitig zu erkennen, den Moment abzupassen an dem sie das Ende der Schlange erreicht und dann direkt hinter ihr nach vorne zu laufen. Falls nun irgendwelche Kunden aus Schlange 1 Kosmetikartikel werfen sollten, ist das einfach zu ignorieren. Es sei denn es sind diese Haarspraydosen mit Extra-Inhalt f?r mehr Geld. Die tun unter Umst?nden ziemlich weh. Dennoch ist diese L?sung der absolute Mittelweg und f?hrt zu absolutem Erfolg inklsuive unglaublichem Zeitersparnis. Als letzten Tipp kann ich beim Anstehen mit Partern nur Empfehlen f?r Sie beide einen Countdown bis zum Eintreffen der Kassiererin 2 herunterzuz?hlen, damit sie auf jeden Fall gleichzeit loslaufen k?nnen.
*Ob den Omas dabei schon mal die Dritten auf die Kasse gefallen sind?